Den Zustand völligen Aufgehens in dem, was wir gerade tun und erleben, beschreibt der Begriff des Flow (engl. fließen, rinnen, strömen) besonders passend. Insbesondere für die bewegliche, auch als fließend wahrnehmbare Kunstform Tanz erscheint der Flow-Begriff wie geschaffen. Der Psychologe Mihaly Csikszentmhalyi hat diesen Zustand im Hinblick auf Risikosportler untersucht und als Erster mit einer Theorie beschrieben (2007).

Flow kann bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens, im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile) entstehen. Flow ist als Zustand zu beschreiben, in dem Aufmerksamkeit, Motivation und die Umgebung in einer Art produktiver Harmonie zusammenkommen. Das gleichzeitige Aufeinandertreffen von Anforderung, Fähigkeit und Zielklarheit (Fokussierung) kann zu einer Veränderung der Zeitwahrnehmung und zum Verschwinden von Sorgen führen. Csikszentmhalyi hat dies exemplarisch für das intensive und scheinbar selbstvergessene Spiel von Kindern beschrieben, das von tiefer innerer Zufriedenheit begleitet wird. Die meisten Tänzer*innen erleben Flow-Zustände beim Tanzen, andere Künstler*innen bei der Ausübung ihrer Kunstform. Dies erklärt u.a. die starke emotionale Bindung an den künstlerischen Beruf.

Ein Flow-Erleben bleibt immer positiv in Erinnerung und verlangt nach Wiederholung. In der Transition-Zeit ist es deshalb für Küntler*innen wichtig, sich das eigene Flow-Erleben bewusst zu machen und nach anderen Formen des Flow-Erlebens zu suchen: Auch Erlebnisse in der Natur, die Praxis meditativer Techniken, das Ausleben anderer künstlerisch-kreativer Ausdrucksformen oder auch der intensive Austausch mit Gleichgesinnten bezogen auf ein gemeinsames Thema kann Flow-Erlebnisse hervorrufen, die ins tägliche Leben integriert werden können.

Text: Heike Scharpff veröffentlicht im Newsletter der Stiftung TANZ, September 2017.

The Flow

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