In der Zeit der Transition werden verschiedene intensive Gefühle ausgelöst. Ein zentrales Gefühl ist dabei die Trauer. Im Gefühl der Trauer drückt sich aus, dass wir etwas verloren haben, was für uns einen zentralen Wert dargestellt hat. Wenn wir uns dieser Emotion überlassen, dann setzt ein Prozess der Ablösung und der neuen Selbstfindung ein. Der für Trennungsphasen beschriebene Prozess kann auf die Tänzer*innen-Transition übertragen werden, da die Ablösung vom Tanz aus psychologischer Sicht starke Parallelen zur Trennung von einem Lebenspartner aufweist. In diesem Prozess verändert sich unsere Identität, vom Beziehungsselbst (in unserem Fall der Identifikation mit dem Tanz) zurück auf das individuelle Selbst (Wer bin ich ohne Tanz bzw. mit weniger Tanz?). Verena Kast beschreibt den Prozess der Trauer in vier Phasen:
In der ersten „Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens“ steht der Trauernde unter Schock. Die Trennung darf einfach nicht wahr sein. Die zweite „Phase des Aufbrechens“ ist von vielen Emotionen gekennzeichnet. Die Gefühle reichen von großer Trauer und Schmerz über Wut, Schuldgefühle, Zurück-haben-Wollen bis zum Bereuen bestimmter Karriere-Entwicklungen und Entscheidungen. Speziell in dieser Phase ist es für die erfolgreiche Trauerverarbeitung wichtig, den Gefühlen Raum zu geben und sie nicht zu verdrängen.
Dies führt in die dritte Phase, nach Verena Kast die „Phase des Suchens, Findens und sich-Trennens“. In dieser Phase sortiert sich der Trauernde neu. Es werden Geschichten über die wichtige gemeinsame Zeit erzählt. Wertvolle Aspekte werden integriert, von schmerzhaften Aspekten kann der Trauernde sich nun befreien. In der vierten „Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs“ können sich die Menschen mit neuem Mut auf die Welt und das Leben einlassen. Wenn der Prozess durchgestanden ist, hat der Betreffende einen neuen Bezug zu sich selbst gefunden und einen wichtigen Entwicklungsschritt vollzogen. Trotzdem wird die Trauer auch in Zukunft immer mal wieder auftauchen und der Abschied in Kurzform zu durchlaufen sein, ausgelöst durch bestimmte Situationen oder Bilder („Trigger“). Dann jedoch wird der Schmerz geringer und der Trost schneller abrufbar sein.
Text von Heike Scharpff adaptiert bzw. zitiert aus „Trauer“ von Verena KAST: „Sterben, Tod und Trauer“, Hrg.: Johann-Christoph Student, Herder (2008)

(Heike Scharpff, veröffentlicht im Newsletter der Stiftung TANZ, März 2017)

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